Warum Diesel teurer ist als Benzin — obwohl die Steuer niedriger ist
Jahrzehntelang galt: Diesel ist billiger. Diese Regel gilt nicht mehr. Aktuell zahlst du für einen Liter Diesel 17 Cent mehr als für einen Liter Super E10 — und das, obwohl der Staat auf Diesel 18 Cent weniger Steuern erhebt. Die Erklärung steckt nicht in der Steuer, sondern in der Raffinerie.
Wie groß der Abstand gerade ist
Bundesdurchschnitt aller deutschen Tankstellen in der TankPilot-Datenbank, 48-Stunden-Mittel. Stand: 20. September 2026.
Bei einer Tankfüllung von 60 Litern sind das 10,20 Euro Unterschied. Auf 15.000 Kilometer im Jahr mit 6 Litern Verbrauch summiert sich der Aufschlag auf rund 153 Euro.
Eigentlich müsste Diesel billiger sein
Der Staat behandelt Diesel bei der Energiesteuer bevorzugt. Die Sätze stehen seit 2003 fest:
- Benzin: 65,45 Cent je Liter
- Diesel: 47,04 Cent je Liter
Das ist ein Vorsprung von 18,41 Cent — mit Mehrwertsteuer sogar 21,9 Cent an der Säule. Allein daraus müsste Diesel also gut 22 Cent günstiger sein als Benzin. Tatsächlich ist er 17 Cent teurer. Es fehlen also rund 39 Cent, die woanders herkommen müssen.
Wo die Differenz herkommt
Zerlegt man beide Literpreise in ihre Bestandteile — so wie in Woraus der Spritpreis besteht —, wird die Sache eindeutig:
| Preisbestandteil | Wirkung auf den Dieselpreis |
|---|---|
| Warenwert (Rohöl, Raffinerie, Marge) | +36,9 ct |
| Energiesteuer | −21,9 ct |
| CO2-Abgabe (Diesel setzt mehr CO2 frei) | +2,0 ct |
| Unterm Strich | +17,0 ct |
Der ganze Effekt steckt im Warenwert. Der reine Produktpreis liegt beim Diesel rund 31 Cent je Liter höher als beim Benzin — vor Steuern gerechnet. Der Steuervorteil frisst davon zwei Drittel auf, der Rest bleibt an der Zapfsäule stehen.
Warum Diesel am Weltmarkt so teuer ist
Diesel, Heizöl und Kerosin stammen aus derselben Fraktion der Rohöldestillation, den sogenannten Mitteldestillaten. Benzin kommt aus einer anderen. Das koppelt Diesel an Märkte, mit denen Benzin nichts zu tun hat — und derzeit ziehen vier Entwicklungen gleichzeitig in dieselbe Richtung:
- Die Heizperiode beginnt. Ab Herbst steigt die Nachfrage nach Heizöl — und Heizöl konkurriert mit Diesel um dasselbe Vorprodukt. Das ist der saisonale Teil des Aufschlags und der Grund, warum sich der Abstand typischerweise von September bis Februar ausweitet.
- Russland fällt als Lieferant aus. Vor den Sanktionen war Russland der größte Diesellieferant Europas. Der Ersatz kommt heute aus Indien, dem Nahen Osten und den USA — mit längeren Transportwegen und entsprechend höheren Kosten.
- Die Raffineriekapazität ist knapp. In Europa wurden Raffinerien stillgelegt, während die weltweite Nachfrage nach Mitteldestillaten hoch bleibt. Raffinerien können die Ausbeute zwischen Benzin und Diesel nur begrenzt verschieben.
- Diesel ist die Arbeitskraft der Logistik. Lkw, Baumaschinen, Landwirtschaft und Schifffahrt fahren nahezu vollständig mit Diesel. Diese Nachfrage ist von der Konjunktur abhängig, aber kaum vom Preis — sie bricht auch bei teuren Preisen nicht weg.
Der CO2-Nachteil des Diesels
Ein Liter Diesel setzt bei der Verbrennung rund 2,65 Kilogramm CO2 frei, ein Liter Benzin rund 2,37 Kilogramm. Weil die CO2-Abgabe genau daran anknüpft, zahlst du beim Diesel je Liter rund 2 Cent mehr Abgabe.
Das relativiert sich allerdings pro Kilometer: Dieselmotoren verbrauchen typischerweise 15 bis 20 Prozent weniger Kraftstoff. Auf die Strecke gerechnet liegt der CO2-Ausstoß eines Diesel-Pkw deshalb meist leicht unter dem eines vergleichbaren Benziners.
Was das für Dieselfahrer heißt
- Der Abstand ist saisonal. Er weitet sich zur Heizperiode und geht im Frühjahr meist wieder zurück. Wer flexibel ist, tankt größere Mengen eher im Frühjahr und Sommer.
- Der Verbrauchsvorteil bleibt. Bei 17 Cent Aufschlag und 18 Prozent weniger Verbrauch fährt ein Diesel auf 100 Kilometer weiterhin günstiger als ein vergleichbarer Benziner — nur nicht mehr so deutlich wie früher. Was das für die Kaufentscheidung bedeutet, steht in Diesel oder Benziner.
- Ab Oktober kommt Winterdiesel. Die Sorte wechselt, der Preis kann dabei leicht steigen. Details in Winterdiesel.
- Die Streuung zwischen Tankstellen ist größer als der Sorten-Aufschlag. Der aktuelle Dieselpreis in deiner Nähe steht in der Tankstellensuche.
Häufige Fragen
Wie viel teurer ist Diesel aktuell als Benzin?
Im Bundesdurchschnitt kostet Diesel 2,433 Euro je Liter und Super E10 2,263 Euro — ein Aufschlag von 17,0 Cent. Bei 60 Litern sind das 10,20 Euro je Tankfüllung. Stand: 20. September 2026.
Warum ist Diesel teurer, obwohl die Steuer niedriger ist?
Weil der reine Warenwert beim Diesel rund 31 Cent je Liter höher liegt. Diesel gehört zu den Mitteldestillaten und konkurriert deshalb mit Heizöl und Kerosin um dasselbe Vorprodukt. Der Steuervorteil von 18,41 Cent gleicht diesen Aufschlag nur teilweise aus.
Wird Diesel wieder billiger als Benzin?
Saisonal ja — der Abstand geht typischerweise nach dem Ende der Heizperiode im Frühjahr zurück. Dauerhaft unter den Benzinpreis dürfte Diesel aber nur fallen, wenn sich die Versorgungslage bei Mitteldestillaten entspannt. Der Steuervorteil allein reicht dafür derzeit nicht.
Lohnt sich ein Diesel trotzdem noch?
Bei hoher Fahrleistung meist ja. Ein Diesel verbraucht typischerweise 15 bis 20 Prozent weniger, was den Aufschlag von 17 Cent je Liter überkompensiert. Gegenzurechnen sind allerdings die höhere Kfz-Steuer und der höhere Anschaffungspreis.
Hat der Dieselpreis etwas mit dem Heizölpreis zu tun?
Ja, direkt. Beide entstehen aus derselben Fraktion bei der Rohöldestillation. Steigt die Heizölnachfrage im Herbst, konkurriert sie mit der Dieselnachfrage um dasselbe Vorprodukt — und beide Preise ziehen gemeinsam an.