Verbrenner-Marktanteil fällt auf Rekordtief: E-Auto-Boom
Wenn der Verbrenner zur Minderheit wird: Was das Rekordtief für Autofahrer bedeutet
Der Verbrenner-Anteil an den Neuzulassungen ist auf ein historisches Tief gefallen – das meldet Heise Autos im Zuge des anhaltenden E-Auto-Booms. Für die Millionen deutschen Autofahrer, die täglich zur Tankstelle fahren, klingt das zunächst wie eine abstrakte Statistik. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich eine strukturelle Verschiebung im Kraftstoffmarkt, die langfristig sehr konkrete Auswirkungen auf Benzin- und Dieselpreise haben könnte. Wer heute noch einen Verbrenner fährt – und das sind in Deutschland nach wie vor die allermeisten –, sollte verstehen, welche Kräfte gerade am Werk sind.
Das historische Rekordtief: Was die Zahlen bedeuten
Laut Heise Autos ist der Anteil von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor an den Neuzulassungen auf ein historisches Tief gesunken. Das ist keine kurzfristige Schwankung, sondern der vorläufige Höhepunkt eines Trends, der seit Jahren zu beobachten ist: Elektrofahrzeuge gewinnen kontinuierlich Marktanteile, während Benziner und Diesel als Neufahrzeuge immer seltener zugelassen werden.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Es geht hier um Neuzulassungen, nicht um den Gesamtbestand. Der Fahrzeugbestand in Deutschland wird weiterhin von Verbrennern dominiert. Die Flotte dreht sich langsam, und Millionen von Benzin- und Dieselfahrzeugen werden noch viele Jahre im Einsatz sein. Dennoch sendet der Rückgang bei den Neuzulassungen ein klares Signal an alle Marktteilnehmer – von den Mineralölkonzernen bis zu den Tankstellenbetreibern.
Neuzulassung versus Bestand: Ein entscheidender Unterschied
Der Unterschied zwischen Neuzulassungsstatistik und tatsächlichem Fahrzeugbestand ist für die Preisdiskussion zentral. Ein Fahrzeug, das heute neu zugelassen wird, bleibt in der Regel zehn bis fünfzehn Jahre im Einsatz. Das bedeutet: Selbst wenn ab sofort kein einziger Verbrenner mehr neu zugelassen würde, würden noch über ein Jahrzehnt lang Millionen von Benzin- und Dieselfahrzeugen die deutschen Straßen bevölkern. Die Nachfrage nach Kraftstoff bricht also nicht von heute auf morgen ein – sie sinkt graduell, aber erkennbar.
Genau diese Gradualität ist es, die für Preisdynamiken besonders relevant ist. Märkte reagieren nicht nur auf die aktuelle Nachfrage, sondern auch auf Erwartungen über künftige Nachfrage. Und die Erwartungen verschieben sich gerade deutlich.
Kraftstoffnachfrage im Wandel: Was der E-Auto-Boom strukturell verändert
Ein steigender Elektroauto-Anteil bei den Neuzulassungen bedeutet, dass Jahr für Jahr mehr Fahrzeuge auf die Straße kommen, die keinen Tropfen Benzin oder Diesel verbrauchen. Das klingt trivial, hat aber weitreichende Konsequenzen für die gesamte Kraftstofflieferkette.
Raffinerien, Tankstellennetze und Logistikunternehmen planen ihre Kapazitäten auf Basis von Nachfrageprognosen. Wenn diese Prognosen dauerhaft nach unten korrigiert werden – was laut Heise Autos durch das Rekordtief bei den Verbrenner-Neuzulassungen nun noch plausibler wird –, verändern sich Investitionsentscheidungen. Raffineriebetreiber investieren weniger in den Ausbau von Benzin- und Dieselkapazitäten. Tankstellennetze werden ausgedünnt oder umgebaut. Diese strukturellen Anpassungen vollziehen sich langsam, aber sie sind bereits im Gange.
Fixkosten auf weniger Liter verteilt: Das Preisproblem der Tankstellen
Hier liegt ein oft übersehener Mechanismus, der für Verbraucher mit Verbrennern unangenehme Konsequenzen haben könnte. Eine Tankstelle hat erhebliche Fixkosten: Grundstück, Gebäude, Technik, Personal, Genehmigungen, Versicherungen. Diese Kosten fallen unabhängig davon an, wie viele Liter Kraftstoff täglich verkauft werden.
Wenn nun durch den wachsenden E-Auto-Anteil die verkaufte Kraftstoffmenge pro Tankstelle sinkt, müssen die Fixkosten auf weniger Liter umgelegt werden. Das kann – muss aber nicht zwingend – zu einem Anstieg der Marge pro Liter führen, um die Wirtschaftlichkeit zu erhalten. Alternativ schließen unrentable Standorte, was die Versorgungsdichte reduziert und für verbliebene Tankstellen die Nachfrage pro Standort stabilisiert.
Rohölmarkt und die Rolle der Erwartungen
Auf der Rohstoffseite ist die Lage komplexer. Rohöl ist ein globaler Markt, der von weit mehr Faktoren abhängt als der deutschen Neuzulassungsstatistik. Dennoch: Wenn weltweit der Trend zum Elektroauto anhält und der Verbrenner-Anteil in immer mehr Märkten auf historische Tiefststände fällt, beeinflusst das auch die langfristigen Ölpreiserwartungen. Investoren und Produzenten kalkulieren bereits heute mit einer sinkenden Nachfrage in der Zukunft – was Investitionen in neue Förderkapazitäten bremst und die Preisvolatilität erhöhen kann.
Konkrete Rechenbeispiele: Was der Wandel für die Tankrechnung bedeuten kann
Abstrakte Marktmechanismen sind das eine – konkrete Zahlen das andere. Zwei Beispielrechnungen zeigen, wie sich veränderte Preisdynamiken auf den Alltag von Verbrennerfahrern auswirken könnten.
Rechenbeispiel 1: Der durchschnittliche Benzinfahrer
Nehmen wir einen typischen deutschen Pendler mit einem Benziner, der einen Verbrauch von acht Litern auf 100 Kilometer hat und jährlich 15.000 Kilometer fährt. Das ergibt einen Jahresverbrauch von 1.200 Litern Benzin.
Bei einem angenommenen Benzinpreis von 1,70 Euro pro Liter zahlt dieser Fahrer jährlich 2.040 Euro für Kraftstoff. Steigt der Preis – etwa durch höhere Margen der Tankstellen aufgrund sinkender Absatzmengen oder durch geopolitische Faktoren – um nur zehn Cent pro Liter auf 1,80 Euro, erhöhen sich die jährlichen Kraftstoffkosten auf 2.160 Euro. Das ist ein Plus von 120 Euro pro Jahr allein durch diesen moderaten Preisanstieg.
Bei einem Anstieg um 20 Cent auf 1,90 Euro pro Liter wären es bereits 2.280 Euro jährlich – also 240 Euro mehr als im Ausgangsszenario. Für viele Haushalte ist das ein spürbarer Betrag, der sich direkt im Monatsbudget niederschlägt.
Rechenbeispiel 2: Der Dieselfahrer mit höherer Laufleistung
Ein Vielfahrer mit einem Diesel-SUV, Verbrauch sieben Liter auf 100 Kilometer und 30.000 Kilometern Jahresfahrleistung, kommt auf einen Jahresverbrauch von 2.100 Litern Diesel.
Bei einem Dieselpreis von 1,60 Euro pro Liter ergibt das jährliche Kraftstoffkosten von 3.360 Euro. Steigt der Dieselpreis um 15 Cent auf 1,75 Euro – ein Szenario, das durch strukturelle Nachfrageverschiebungen oder veränderte Raffineriekapazitäten denkbar ist –, zahlt dieser Fahrer 3.675 Euro jährlich. Das entspricht einem Mehraufwand von 315 Euro pro Jahr.
Diese Beispiele zeigen: Selbst moderate Preisveränderungen haben bei realistischen Fahrprofilen erhebliche finanzielle Auswirkungen. Wer seinen Kraftstoff günstig einkauft und Preisunterschiede zwischen Tankstellen nutzt, kann einen erheblichen Teil dieser Mehrkosten kompensieren.
Was bedeutet das konkret für Verbrennerfahrer heute?
Der Verbrenner-Marktanteil fällt auf ein Rekordtief – aber das bedeutet nicht, dass Benzin und Diesel morgen verschwinden oder unbezahlbar werden. Die Entwicklung ist graduell, und die Kraftstoffversorgung in Deutschland ist auf absehbare Zeit gesichert. Dennoch lohnt es sich, die Implikationen dieses Trends zu verstehen und das eigene Tankverhalten entsprechend anzupassen.
Preisvergleich wird wichtiger, nicht unwichtiger
In einem Markt, der sich strukturell verändert, können regionale und zeitliche Preisunterschiede an Tankstellen zunehmen. Wenn das Tankstellennetz ausgedünnt wird und die Wettbewerbsdichte sinkt, können einzelne Anbieter höhere Margen durchsetzen. Gleichzeitig werden Tankstellen, die um Kunden kämpfen, verstärkt mit Preisen werben.
Für Verbraucher bedeutet das: Preisvergleich bleibt das wirksamste Mittel, um bei den Kraftstoffkosten zu sparen. Wer weiß, welche Tankstelle in seiner Region gerade günstig ist, und wer den richtigen Tankzeitpunkt wählt, kann auch in einem sich wandelnden Markt deutlich sparen. Apps und Dienste, die Echtzeitpreise vergleichen, werden in diesem Umfeld noch wertvoller.
Tankzeitpunkt: Morgens oder abends?
Unabhängig vom strukturellen Wandel gilt weiterhin: Kraftstoffpreise schwanken im Tagesverlauf. Studien und Beobachtungen des Marktes zeigen, dass die Preise in Deutschland typischerweise morgens und abends niedriger sind als zur Mittagszeit oder am frühen Nachmittag. Wer diese Muster kennt und nutzt, kann pro Tankfüllung mehrere Euro sparen – ein Effekt, der sich über das Jahr summiert.
Vollgetankt oder häufig tanken: Was ist sinnvoller?
In Zeiten potenziell steigender oder volatiler Preise stellt sich auch die Frage der Tankmenge. Wer bei niedrigen Preisen volltankt, sichert sich den günstigen Preis für mehr Liter. Wer nur kleine Mengen tankt, ist flexibler, riskiert aber, bei einem Preisanstieg teurer nachzutanken. Eine einfache Faustregel: Bei erkennbar günstigen Preisen lohnt es sich, den Tank möglichst voll zu machen.
Der Blick auf die Tankstelleninfrastruktur in Deutschland
Der E-Auto-Boom verändert nicht nur die Nachfrage nach Kraftstoff, sondern auch die Tankstellenlandschaft selbst. Laut Heise Autos ist der Verbrenner-Anteil bei den Neuzulassungen auf ein historisches Tief gefallen – das setzt die Geschäftsmodelle klassischer Tankstellen unter Druck.
Umbau statt Schließung: Die Strategie der Mineralölkonzerne
Große Mineralölkonzerne reagieren auf den Wandel bereits mit Investitionen in Ladeinfrastruktur an bestehenden Tankstellenstandorten. Das ist eine logische Reaktion: Der Standort ist vorhanden, die Infrastruktur teilweise nutzbar, und die Kundenbindung lässt sich erhalten – wenn auch mit einem anderen Produkt. Für Verbrennerfahrer bedeutet das mittelfristig, dass Tankstellen nicht einfach verschwinden, sondern sich wandeln.
Allerdings ist der Umbau kostspielig, und nicht jeder Standort ist wirtschaftlich tragfähig genug, um diese Investitionen zu rechtfertigen. Besonders in ländlichen Regionen, wo die Kundenzahl pro Tankstelle ohnehin geringer ist, könnte die Ausdünnung des Netzes spürbarer werden.
Regionale Unterschiede: Stadt versus Land
In städtischen Gebieten ist die Wettbewerbsdichte unter Tankstellen höher, und der Druck auf die Preise bleibt stärker. Auf dem Land hingegen gibt es oft nur wenige Anbieter, was bei sinkender Nachfrage durch mehr E-Autos zu einer veränderten Preissetzung führen könnte. Verbrennerfahrer in ländlichen Regionen sollten diesen Aspekt im Blick behalten und Preisvergleichsdienste aktiv nutzen.
Fazit
- Der strukturelle Wandel ist real, aber graduell: Der Verbrenner-Anteil bei Neuzulassungen hat laut Heise Autos ein historisches Rekordtief erreicht – das verändert langfristig die Nachfrage nach Benzin und Diesel, aber nicht von heute auf morgen. Millionen Verbrenner werden noch viele Jahre auf deutschen Straßen unterwegs sein.
- Preisdynamiken können sich verschieben: Sinkende Absatzmengen an Tankstellen und veränderte Investitionsbereitschaft in der Kraftstofflieferkette können die Preisstruktur beeinflussen – wie die Rechenbeispiele zeigen, macht schon ein Anstieg von zehn bis zwanzig Cent pro Liter für Durchschnittsfahrer jährlich 120 bis über 300 Euro Unterschied.
- Aktiver Preisvergleich bleibt das wirksamste Mittel: In einem sich wandelnden Markt wird das Preisgefälle zwischen Tankstellen eher größer als kleiner. Wer Echtzeit-Preisvergleiche nutzt, den richtigen Tankzeitpunkt wählt und bei günstigen Preisen volltankt, kann einen erheblichen Teil möglicher Mehrkosten ausgleichen.